Fugazi

In diesem Artikel geht es um Hochsensibilität. Warum fühlen andere nicht so wie ich? Warum ziehen mich Dinge mehr runter als andere? Und warum ziehe ich mich so oft zurück? Ist das okay? Und wie gehe ich damit um? Ist Hochsensibilität nur ein Begriff oder ein Trend der Moderne?


Dem einen fällt es leicht sich seinen Gefühlen zu offenbaren, dem anderen fällt es leicht schreckliche Ereignisse auszublenden, gar zu ignorieren. Die einen fragen sich nach dem Sinn des Lebens, und hinterfragen den ständigen über den Tag kommenden Wandel in ihrem Leben. Die einen hingegen nehmen ihr Leben so hin und Arbeit, Haus und Auto reichen ihnen aus. Ich habe mich oftmals gefragt, warum ich auf viele Sachen so super sensibel reagiere. Warum ich die Emotionen der anderen so krass spüre. So krass schon fast, wie meine. Geht es jemandem in meinem Umfeld scheiße, so zieht mich das automatisch auch in Mitleidenschaft. Ich tue dann oftmals alles, was in meiner Macht steht, dass es dieser Person wieder gut geht. Wenn ich sehe, dass in anderen Ländern Krieg herrscht, Menschen dabei sterben, flüchten müssen, habe ich sofort Mitleid und fange an zu vergleichen. Zum einen erdet mich das dann immer wieder total, aber auf der anderen Seite regt mich das dann auch total auf, weil alles so gewöhnlich seinen Lauf nimmt. Ich sehe dann im Gegenzug lange Schlangen vor dem Apple Store. Menschen, die sich das neueste iPhone kaufen, obwohl ihr altes doch eigentlich noch funktioniert. Ich sehe Menschen, die sich mit ihren vier oder fünf vollen neuen Klamotten Tüten durch die engen Strassen Hamburgs schlagen. Keine Freude im Gesicht. Die Freude hält nur kurz an. Und dann frag ich mich, ob ihnen überhaupt bewusst ist, dass all die Produkte, die sie kaufen, meistens von der Hand eines Kindes erschaffen wurden. Ich nehme so viele Reize auf, die ich erstmal wieder verarbeiten muss. Früher, also vor Corona, fuhr ich immer mit dem Rad durch Hamburg. In Ausnahmefällen fuhr ich mit der Bahn. Wenn ich mit der Bahn fuhr, habe ich mich komplett überfordert gefühlt. Alle starrten auf ihr Handy. Alle schienen so beschäftigt zu sein. Mit was? Daumen hoch, Smiley hier, WhatsApp da. Die Stadt ist mir zu laut. Ich reagiere super empfindlich auf laute Geräusche. Das stresst mich total. Ich war schon immer eine Beobachterin. Hab mich immer schon zurückgezogen. Immer schon viele Dinge allein gemacht. In Gruppen bin ich nicht unbedingt diejenige, die immer was sagt, sondern eher diejenige, die zuhört und beobachtet. Im Nachhinein eher etwas sagen will, weil sie dann verarbeitet. Ich denke viel nach. Kann meine Gedanken manchmal gar nicht stoppen, weil sie einfach da sind. Gedanken sind wie Luft zum atmen. Immer da und wenn sie nicht da wären, würde ich mich glaub ich auch nicht lebendig fühlen. Ich höre oft auf mein Bauchgefühl. Das ist irgendwie recht stark. Immerzu wird mir gesagt, ich solle nicht so viel nachdenken. Aber was ist so schlimm daran? Was ist so schlimm daran mit offenen Augen durch die Gegend zu gehen, Dinge zu hinterfragen und seine Launen kund zu geben? Ich würde nicht nur Dich belügen, wenn ich sagen würde "hey, mir gehts heut super.", sondern eben halt auch mich. Und es gibt genug Lügen auf der Welt. Durch meine Reise habe ich mich meinen Ängsten gestellt. Ich war jeden Tag an einem anderen Ort und normalerweise brauche ich immer Ewigkeiten bis ich mich an die Lage gewöhnt habe. Das war wohl auch meine größte Herausforderung. Ich mag woanders sein, weil ich merke, wie ich mich dann entfalte. Trotzdem dauert bei mir irgendwie alles etwas länger. Ich muss mich eingrooven. Lange warm machen. Ich bin kommunikativ und offen, aber ja ich wähle mir die Menschen aus, die zu mir passen. Viele denken, dass man nur heult, wenn man sensibel ist. Aber das stimmt gar nicht. Man ist emotional schneller betroffen, als andere und man weint ein bisschen mehr als andere. Hochsensibilität ist einfach gesagt nur eine Reizüberflutung, die das Hirn nicht so schnell verarbeiten kann. Wie so ein Sturm halt, der aufzieht und erstmal nicht aufzuhalten ist. Es ist nicht immer ganz verständlich für andere, dass man sich so gibt, weil sie es eben, sowie ich ihre Ansichten nicht nachvollziehen kann, nicht nachempfinden können. Aber lass die anderen einfach andere sein. Bekenne dich zu dir selbst und du wirst automatisch die richtigen Leute anziehen.



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