Hygge

Mein Tag knistert laut in Plastik. Große Pläne schweben in Cellophan über Asphalt.

Mein Bollerwagen ist 'n Karton an 'ner Schnur. Unten dünn, weil er schleift. Verlier' die Hälfte auf'm Weg, doch des macht nichts. Wofür ich brannte, wird jetzt langsam auf dem Gehweg kalt.

Was von mir übrig bleibt, schleif' ich zu 'ner Deponie. Und schmeiß mein Leben aufn Müll. (Fynn Kliemann).


Um glücklich zu sein, muss man wohl immer wieder neu und ehrlich anfangen. Ich benutze selten das Wort "muss", aber in diesem Fall ist es wahr und passend. In den letzten Wochen habe ich mich wieder ausgiebiger mit meinem Ich und dem dazugehörigen Umfeld beschäftigt. Ich weiß nicht, ob ihr es auch kennt, aber nach ner gewissen Zeit kippt irgendwie die gute Stimmung und man fängt an zu hinterfragen und kommt dann in so n wahnsinnigen Gedanken- und Reflexionsstrudel. Auf einmal erkennt man mal wieder, dass die Welt ziemlich verkorkst ist und die wenige, aber so tolle und wertvolle Verbesserung auf Dauer nur ein großer Versuch bleiben könnte, wenn nicht genug mitziehen. Auf einmal sieht man den Tatsachen wieder in die Augen - ja sogar auf Augenhöhe, die trotzdem den Verstand und das Herz gegeneinander ankämpfen lassen. Ich will nicht stagnieren, will aber trotzdem Ruhe. Ich will nicht leise während meiner Lebenszeit vor mir hinsterben, nur weil es gesellschaftlich so viele machen. Ich will schnell wachsen, aber die Zeit trotzdem zum Stehen bringen. Will die Tage länger machen, weil ich nie all das schaffe, was auf meiner To-Do-Liste steht. Und ja all die Dinge, die ich noch erledigen möchte, bereichern mich und machen unsere Leben ja auch irgendwo sinnig. Deshalb bin ich dafür auch dankbar. Was wärst Du, wenn Du all diese ToDo's nicht hättest? Eine leere Hülle, die sich eigentlich permanent füllen will, aber nicht weiß, wie und womit sie anfangen soll? Ein unbeschriebenes Blatt Papier, welches keinen Schreiberling findet, weil die Idee und die Story dahinter fehlt? Nicht lebendig, sondern nur physisch anwesend? Wer glücklich ist, ist kreativ und strahlt es förmlich aus, sodass man andere mit in seinen Bann zieht. Deshalb ist es ja auch so enorm wichtig, sich mit Menschen zu umgeben, die sich mit dir eine Welle teilen wollen und dieser auch gewachsen sind. Wenn die Menschen andauernd auf einer Welle hängen bleiben, sich nicht trauen diese Welle zu reiten, werden sie dir auf Dauer nichts Gutes zurückgeben können. Auch wenn sie es versuchen - es wird eventuell nicht ausreichen, weil du schon viel weiter bist. Und so ist vollkommen legitim und nur menschlich, dass wir unser Glück und unsere Liebe weiter geben wollen, dabei ab und an auf die Fresse fallen, uns damit weniger Gefallen als Wohlbefinden tun, und Dinge unter nachhaltigen Entscheidungen aufn Müll schmeißen. Hin und wieder sollte aufgeräumt werden, da sich sonst einfach viel zu viel anstaut und man gar nicht mehr vorankommt. Wo versteckt Du dass, was ich heimlich und innerlich noch brauch? Liegt das Versteck bei anderen oder doch bei einem selbst? Ich liege also, angeschlagen wegen meiner Bauchspeicheldrüse, in den Ohren die Worte meines Chefs "Stress dich nicht. Wer nen guten Geist hat, wird nicht krank," Samstagnachmittag auf der Couch, neben mir die Katze mit dem Namen Akira, die wir aus Spanien gerettet haben. Friedlich schläft sie da so vor sich hin. Und das lässt mich glücklich sein, weil ich weiß, dass wir etwas Gutes getan haben. Dass der Weg zu dieser guten Tat nicht einfach war, ist jetzt nur noch verblasst, weil wir wissen, dass es sich gelohnt hat. Wer kämpft, gelangt zum Glück. Dass das Glück nicht immer zu sehen ist, zumindest in Momenten, wo alles drumherum scheiße wirkt, liegt daran, weil wir vieles als Selbstverständlichkeit annehmen und dann zu bequem sind etwas an der Situation zu ändern oder eben wirklich anfangen etwas zu bewerkstelligen.

Oft schwirrt etwas in unseren Köpfen umher, aber Träume und Gedanken bleiben dann doch temporäre Blitzableiter.


Und so ist die Liebe ein guter Begleiter oder eine gute Offenbarung zum Glück, aber nicht der Schlüssel zum Glück, denn ein Anderer wird nie die Lösung all unserer Probleme sein, sondern immer nur ein Spiegel, der zeigen will, wo genau die Probleme liegen. Deshalb sollte das Glück und die Liebe multipliziert werden und nicht eintönig werden. Lieben kannst du auf mehreren Wegen. Nicht nur deinen Partner - du kannst und bist dafür auch frei genug mehrere zu lieben. Je größer die Liebe, die du ausstrahlst, desto mehr Frieden wird's auch geben. Sowohl in dir als auch in deinem Umfeld.


Nimm dir viel mehr von mir. Alles was du von mir willst ist zu wenig. Alles was ich will ist ewig. Alles was du für mich bist ist 'n Käfig. Doch ausbrechen geht nicht. Haben wir uns beide für dich schon erledigt? Du weißt ja, ich fleh' nicht, aber bitte erklär's mir, denn anders versteh' ich's nicht. (Fynn Kliemann).










25 Ansichten0 Kommentare