Routiniert ruiniert

Weißt du noch? Damals waren wir noch jung und irgendwie so schwerelos. Unsere Gedanken glichen weniger einem Meer, doch wurden genau deswegen immer größer und weiter. Damals waren wir zum Spielen noch so wirklich draußen und waren nicht andauernd abgelenkt von Influencern auf Insta und Co. Damals wurden wir beschenkt mit Liebe ohne Erwartungen oder Enttäuschungen. Daher der Spruch "Früher war alles besser...", ...


Sie sitzt in dem Garten ihrer Eltern. Trauert dem so sonnigen Tag ein wenig hinterher, weil einfach schon wieder ein Tag ihres Lebens verflogen ist. Es ist noch warm und die stehende Hitze brodelt so wie die Gedanken in ihrem Kopf. Sie weiß, dass ihre Gedanken zu ihren Handlungen werden und weiß aber auch wie schwer es ist Handlungen in die Hand zu nehmen, weil einfach mit jeder Handlung etwas Neues geschieht und Altes losgelassen wird. Sie ist nicht da, wo sie sein will. Entscheidet sich wöchentlich um, weil sie so viel machen will. Sie will dies und sie will das. Aber was will sie eigentlich wirklich so richtig? Was ist ihr so wirklich richtig wichtig? Richtig wichtig sind wir offensichtlich so unübersichtlich nur richtig in zuversichtlich. Sie lebt einen Tag nach dem anderen, weil sie das so gelesen und gesagt bekommt. Bloß nicht stressen lassen, niemanden hassen, Natur lieben und anfassen. Es wird dunkel und das drumherum ruhiger. Der Himmel verwandelt sich in einen wunderschönen Sternenhimmel. Sie blickt hinauf und sieht Sternschnuppen. Ein, zwei... und die letzte vorm Schlafen gehen dann kurz vor drei. Früher hat man sich etwas gewünscht und irgendwie ist der Wunsch meist in Erfüllung gegangen, weil wir fest daran glaubten. Früher war Aufregung und Euphorie zu spüren, wenn man in den Sternenhimmel schaute. Sie erinnert sich zurück an einst die Nächte auf der Wiese vor dem Garten ihrer Eltern, in welchem sie einst mit ihrem Iglu Zelt "campte" und dem Tagesende gähnend dahin fieberte, weil alles so spannend war und man wieder mal neue Sternbilder finden konnte. Heute würde sie in den Himmel gucken, Sterne vergeblich versuchen zu zählen, und nur mit Glück ne Sternschuppe sehen, weil a) der Smog der Stadt im Himmelszelt hängt, b) sie sich fragt, wie weit das Universum ist und ob da noch mehr ist und c) sich längere Tage wünscht. 1,2,3 ... 150, alles hier ist doch eigentlich so enorm winzig. Früher sagte sie, sei sie ins Schwimmband gegangen und sei ohne Probleme vom 10 Meter Turm gesprungen, sie sei Longboard gefahren ohne Ende... früher wurdest du ohne etwas zu sagen einfach in den Arm genommen. Du wurdest bedingungslos geliebt. Und die Liebe kannst du dir eigentlich immer noch von überall herholen, nur bleibt sie nicht unbedingt immer bei dir, weil jeder in diesem Alter ist wie sie und doch eigentlich niemand so wirklich weiß wohin es gehen soll. Was wir also alle teilen, lässt uns aneinander vorbei reden, vorbei leben, vorbei lieben und teilt uns ins kleinste doch so gemeinsame. Wenn sie älteren Personen ihre Gedanken mitteilt, werden ihre Vorstellungen und ihre Hoffnungen komplett zunichte gemacht. Vielleicht ist schon alles gut, sowie sie reagiert und agiert, weil sie sich einfach genau vor solchen Schauergesichten schützt und Manipulation und Co gar nicht zulässt. Vielleicht sollte sie auch einfach so sein, wie alle anderen... ,weil uns doch alle das gleiche verbindet. 0815 Job, Wohnung, die viel zu teuer ist, Auto, Partner... und das Tag für Tag, weil es scheinbar jeder so unausweichlich und tief abgeneigt so mag. Sie sieht jemand anderen vor sich, der sich darüber aufregt, dass die Bahn nicht rechtzeitig abfahren wird und denkt sich nur ihren Teil. Am Liebsten würde sie ihn beruhigen, was Nettes sagen, aber irgendwie macht man das ja nicht, also hält sie sich an die nicht geschriebenen Regeln und beobachtet weiter. Sie fängt ein Gespräch auf, luschert und bleibt kleben, weil sie in der Gruppe meinen, es gäbe keine richtige Liebe. True that, gibt ja auch kein richtig oder falsch. Tja, wonach suchen wir dann? Und warum suchen wir eigentlich? Heißt das umgangssprachlich eigetlich nur, dass wir uns selber nicht genug sind, uns selber nicht ausstehen können?

Manchmal gilt es harte Entscheidungen zu treffen, um voran zu kommen, um neue Kraft zu schöpfen, auch wenn diese Entscheidung viel Kraft kosten wird. Treffen wir immer nur leichte Entscheidungen, schieben wir etwas vor uns hin und gestehen uns selbst wenig ein, wir leben so weiter, weil wir uns nicht trauen zu entscheiden, weil wir Angst vor Veränderung haben. Sie ist also 25 Jahre jung, fängt an rückblickend zu schauen, was sie schon geschafft hat und stellt fest, dass das Leben manchmal ne Reihe aus Wiederholungen ist, man nur rechtzeitig draus lernen sollte. Sie ist eine von vielen in ihrem Alter. Was bewegt dich? Wo willst du hin? Wie kommst du mit dir klar? Wärs mal wieder Zeit etwas zu verändern? Wärs mal Zeit für n Abenteuer? Wie viel Tage willst du noch still stehen? Wie viel Tage bleiben dir, mir und ihr?


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