Sturmstimmung

Sturm. Wind. Regen. Schauer. Sonnenlicht kämpft sich durch, aber nur schlicht. Alles von kurzer Dauer. Irgendwer da draußen ist sauer, andere bauen ne fette Mauer. Sitzen auf der Lauer, wie so ne Wanze, plötzlich gibts nen Schauer, wichtiger Wachstumsschub für ne Pflanze.


Stadtauswärts entfliehe ich den Stadtrandlichtern, die von weitem immer kleiner werden und so unwirklich erscheinen. Mäuschenstill, kein stumpfes Smalltalk-Gequatsche und nur eine Stimme im Kopf. Ist es wirklich meine? Ich höre von weitem klirrend leise Geräuschfetzen, die Balsam in meinen Ohren wirken. Dazu schief, vor sich hinsingende Melodien, die vereint aber wunderschön klingen. Von weitem sehe ich ein klitzekleines rotes glühendes Etwas, was das Tiefschwarz zu etwas magischem macht. Ich höre lautes euphorisches und pletschernes Glücksempfinden, welches von nicht definierbaren Weiten kommt. Ich bin unerreichbar, weil ich sogar unten auf dem Boden im Flugmodus bin. Trotzdem schwebe oder gleite ich nicht. Es ist dunkel hier, hier ist nur Mondlicht. Auch hier bin ich eine von vielen oder bin ich von vielen nur eine, die Zeit, Glück, Leid, Hass nicht greifen kann? Meine Gedanken haben Lampenfieber und sind in Sturmstimmung. Sie genießen ihre Show, die mehrere Zugaben mit Open End Feeling hat. "Klappe zu" oder "Klappe die vierte" sagt hier keiner, Gedanken werden lauter und man wird immer nur leiser. Es wird still um mich herum. Fast wie in einer Blase mit Schalldämpfung. Ich treffe auf ne ältere Dame, die hier auch allein unterwegs ist. Wir liefen uns übern Weg und unterhielten uns. Sie sagte wenige Sätze, wie "Die Kunst des Lebens ist die Art und Weise des Nehmen und Gebens", oder "Liebe dein Leben und dein späteres Ich wird's dir mit Dankbarkeit zurückgeben", "Das Leben ist wie ne große Wiese auf der man Blumen pflanzen kann, frag nicht nach dem wann, sondern sag dir immer, es ist jetzt der bestmögliche Zeitpunkt, um Dinge anzugehen." Du bist seit 6 Uhr wach, hast fünf Stunden geschlafen, weil du alles vom Tag ausschöpfen wolltest, was nur geht. Das war schon immer so, sagst du dir. Und auf einmal wird dir klar, dass du hier früher schon mal warst und es auch später mal sein wirst. Auf einmal wird dir klar, dass der Mensch es war, der Zeit konzeptionell entwickelte. Die Welt hat sich nicht wirklich verändert. Sie ist menschlich nur noch schneller geworden. Ich habs wohl schon immer geschafft ne Variante von richtig anders zu sein. Schaut Euch an. Anders sein hat gar keine Definition. Hübsch sein hat gar keine Definition. Jeder ist und bleibt so wie er/ sie/ es ist. Wir müssen nur unsere Lieblingsblumen finden, die wir pflanzen. Müssen empfänglich sein für die Dinge und Menschen, die uns spürbar etwas zurückgeben. Das ist alles und eigentlich noch viel mehr, was ich heute zu sagen habe. In meinem Kopf läd ne To-Go-PowerBar, die niemals wirklich aus ist. Gäbe es nen Power-Off-Button würd ich ihn nicht drücken.


“Try to say nothing negative about anybody.

a) for three days

b) for forty-five days

c) for three months


See what happens to your life.”

Yoko Ono




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